Was passiert bei einer Paartherapie?

Zum Ablauf einer Paartherapie und was man bei der Wahl eines Paartherapeuten beachten sollte.

alexander.w.rauchPsychologie

Viele Menschen Fragen sich, was bei einer Paartherapie alles passiert: worüber gesprochen wird, wie überhaupt geholfen werden soll und wie der typische Ablauf einer Sitzung aussieht. Eine weitere wichtige Frage ist außerdem, was man bei der Wahl eines Paartherapeuten beachten sollte.

In welchen Fällen eine Paartherapie überhaupt sinnvoll ist, wurde in diesem Artikel bereits erläutert.

Beginnen wir mit dem Rechtlichen. Im Internet ist oft von Unterschieden zwischen Paartherapie und Paarberatung zu lesen. Eine Paarberatung sei die Vorstufe einer Therapie, heißt es an manchen Stellen.

Doch die Begriffe Paartherapie, Eheberatung und Paarberatung sind alle nicht gesetzlich geschützt und werden folglich auch nicht gesetzlich differenziert. Alle drei gelten als nichtheilkundliche psychologische Tätigkeiten, d.h. sie sollten idealerweise nur von ausgebildeten Psychologen ausgeübt werden.1

Eine Paartherapie ist also erst einmal nur eine Hülle, hinter der sich so ziemlich alles verbergen kann. Daher kann es sehr große und weitreichende Unterschiede zwischen einzelnen Paartherapie-Ansätzen und auch Paartherapeuten geben.

Für potentielle Klienten bedeutet das, dass sie sich ihren Paartherapeuten oder Paartherapeutin sorgfältig aussuchen und sich bei der Suche nicht nur auf zweitrangige Informationen wie örtliche Nähe oder Verfügbarkeit konzentrieren sollten.

Die Wahl des richtigen Paartherapeuten

Oft wird Suchenden empfohlen, sie sollen sich auf ihr Gefühl verlassen. Das ist an sich ein guter Ratschlag, denn unsere Intuition bildet sich aus einem reicheren Informationsvorrat als unser Denken. Doch unser Bauchgefühl ist auch anfälliger für Manipulation und falsche Versprechen. Daher ist es wichtig, auch nüchterne, rationale Gedankengänge in die Wahl mit einzubeziehen.

Hierzu gehören vor allem zeitlich (oder sogar preislich!) gerahmte Versprechen. Der Reiz ist natürlich groß, auf ein Versprechen anzuspringen, dass uns suggeriert, alle unsere Probleme würden innerhalb weniger Stunden Arbeit gelöst. Doch die Realität sieht anders aus.

Apropos Arbeit: ein weiteres Lockmittel ist das Fehlen jeglicher Eigenbeteiligung von Seiten des Paares. Hier wird verschwiegen, dass selbst bei den großartigsten Paartherapeuten der Therapieerfolg maßgeblich von den Klienten abhängt: ihre Offenheit, Kooperation und Willenskraft entscheiden den Therapieausgang.

Das Szenario einer Paartherapie ist viel mehr mit dem Laufen zu vergleichen. Der Therapeut kann das Paar darin unterstützen, ihre Lauftechnik zu verbessern, die Kondition zu steigern, den inneren Schweinehund zu überwinden – und vieles mehr. Doch kein Therapeut kann für seine Klienten den Lauf absolvieren. Dementsprechend sind auch alle versprechen leer, die behaupten, man könne durch bloße Anteilnahme und Geldzahlung zur Ziellinie kommen.

Die Seriösität eines Paartherapeuten zeigt sich also dadurch, dass er potentiellen Klienten keine falsche Hoffnungen macht, um sie in die eigene Praxis zu locken. Die Informationen liegen hier – wie so oft – in dem, was nicht gesagt wird, statt in dem, was gesagt wird.

Wie funktioniert eine Paartherapie?

Die Arbeit einzelner Paartherapeuten unterscheidet sich erheblich – viel stärker, als die meisten Psychologen und Paartherapeuten zugeben möchten. Das liegt daran, dass man als Therapeut immer mit dem eigenen psychologischen Innenleben als Resonanzraum arbeitet – also der eigene Entwicklungsgrad eine große Auswirkung auf die Therapie hat.

Die technischen Fähigkeiten sind in nur sehr wenigen Berufsfeldern so sehr vom eigenen Entwicklungs- und Reifegrad abhängig wie in therapeutischen Berufen.

In einem Idealszenario ist der Paartherapeut dafür zuständig, dem Paar einen Raum zur Verfügung zu stellen, indem sich beide Partner insoweit sicher, geborgen und akzeptiert fühlen, dass Unbewusstes sich zeigen kann.

Durch die direkte Begegnung mit dem, was vorher nur hinter einer Fassade von Wut, Schuldgefühlen oder Angst zugänglich war, lassen sich so die Gründe für schlechte Dynamik oder Beziehungsprobleme nach und nach entdecken.

Wenn Sie jetzt denken, “ich weiß schon, was nicht in Ordnung ist – mein Partner wirft es mir jeden Abend vor”, dann täuschen Sie sich, denn die wirklichen Gründe liegen oft sehr tief unter diesen Ebenen versteckt.

Sie sind in einer Atmosphäre des Streits gar nicht zugänglich. Ganz im Gegenteil: der Streit ist ein unbewusster Weg, den wirklichen Gründen nicht begegnen zu müssen.

Eine Paartherapie hat also die Aufgabe, dem Paar die Möglichkeit zu geben, gemeinsam auf eine Reise zu gehen. Kooperieren statt Konkurrieren.

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  1. Die Berufsbezeichnung "Psychologe" ist geschützt, d.h. es darf sich nur Psychologe nennen, wer einen Master- oder Diplom-Abschluss in Psychologie erhalten hat. Auch ein studierter Psychologe darf jedoch keine Psychotherapie anbieten, solange er nicht psychologischer Psychotherapeut ist. Dies erfordert eine zusätzliche, auf dem Studium aufbauende mehrjährige Ausbildung. Leider halten sich viele Heilpraktiker nicht an das Gesetz und bezeichnen Ihre Leistungen als "Psychotherapie", obwohl dies gesetzlich nicht zulässig ist - selbst mit der Zusatzbezeichnung "Psychotherapie (HPG)" ist gesetzlich nicht zulässig, da sie Menschen irreführen kann.

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