Wann ist eine Paartherapie sinnvoll?

Über den Sinn und Nutzen einer Paartherapie.

alexander.w.rauchLiebe & Partnerschaft

Eine Paartherapie oder Paarberatung kann je nach Anliegen der Klienten sehr unterschiedliche Hilfestellungen für Paare bieten, denn Paare suchen aus den verschiedensten Gründen Hilfe bei einem Paartherapeuten.

Die wichtigste Grundlage ist hierbei, dass beide Offenheit für die Paartherapie mitbringen und nicht eine der beiden Seiten (bei heterosexuellen Paaren meistens die Frau) den Partner gegen das eigene Bedürfnis zum Therapeuten schleppt.

Ist nur einer der beiden Partner an der Therapie interessiert, ist es schwierig für den Paartherapeuten, eine gemeinsame Arbeitsbasis für alle drei zu finden. Wenn z.B. die Frau die Beziehung als unzureichend empfindet und eine Paartherapie vorschlägt, doch ihr Mann diese kategorisch ablehnt, ist keine Arbeitsbasis vorhanden. In solchen Fällen kann es dennoch von großem Vorteil für die Frau sein, eine Einzelberatung in Anspruch zu nehmen.

In den meisten Situationen, in denen beide Parteien Offenheit und Arbeitsbereitschaft mitbringen, lässt sich mit einer guten Therapie vieles erreichen. Dauer, Arbeitsweise und Zielsetzung unterscheiden sich dabei hauptsächlich nach Fortschritt der Beziehung und Ursache der Problematik.

Hilfe aus der Krise bei Beziehungsproblemen

Liegen Beziehungsprobleme vor, ist eine Paartherapie eine sehr gute Entscheidung. Doch leider nehmen viele Paare eine Paartherapie erst in Anspruch, wenn sie sich akut in einer Krise befinden und die Beziehung auseinanderzufallen droht.

Dabei zeigen wissenschaftliche Studien, dass Paartherapien erfolgreicher sind, je früher Paare Hilfe in Anspruch nehmen. Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch nicht, dass bereits fortgeschrittene Fälle nicht zu behandeln sind.

In Streitfällen kommt es häufig zu emotional verletzenden Aussagen, manchmal auch zu Beschimpfungen oder Beleidigungen. Egal ob von außen betrachtet die Fetzen fliegen: innerlich lässt so eine Atmosphäre auf Dauer niemanden kalt. Da unser Partner uns sehr gut kennt und wir ihm gegenüber besonders offen sind, wirkt das von ihm Gesagte und Geleistete umso heftiger.

Viele Menschen können sich den Ursprung solch einer negativen Dynamik1 nicht erklären. Wie können bei soviel Anziehung und Liebe soviele Probleme entstehen? Oft wird mangelnde Akzeptanz für die eigene Art des Seins als Ursache vermutet, manchmal auch schlichtweg Inkompatibilität. Doch in Wirklichkeit ist es fast immer die Unfähigkeit der Beteiligten, sich selbst zu sehen und zu akzeptieren.

Die Beziehungsprobleme manifestieren sich, weil unser gegenüber uns unfrewillig das spiegelt, was wir sind. Der große Test für eine Partnerschaft ist, ob wir mit diesem Bild zurechtkommen. Eine gute Paartherapie hilft beiden Teilen eines Paares dabei, sich selbst zu erkennen und zu akzeptieren, um empfänglich für eine harmonischere und liebevollere Beziehung zu sein.

Paartherapie als Prävention und Training

Immer mehr junge Paare entscheiden sich, präventiv eine Paartherapie in Anspruch zu nehmen. Das bedeutet, dass keine akuten Probleme oder Krisen vorliegen – das Paar kann sogar frisch verliebt und sehr glücklich sein. Eine glückliche Anfangszeit ist ein ausgezeichneter Startpunkt für eine Paartherapie, denn hier reichen oft schon wenige Sitzungen, um den Grundstein für eine achtsame Kommunikation zu legen.

In der Prävention lernen Paare, mit emotional belastenden Situationen offen umzugehen, achtsam mit sich und dem Partner zu sein – und die vermutlich wichtigste Fähigkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen: in Kontakt miteinander zu bleiben. Die Entscheidung, Beziehungsproblemen schon während der Frühlingszeit den Wind aus den Segeln zu nehmen, ist sehr klug, denn wir leben in einer Zeit, in der Beziehungen immer austauschbarer und fragiler werden. Eine Paartherapie kann als Gegenkraft dazu Stabilität bieten und dem Paar erlauben, die Einzigartigkeit ihrer Verbindung näher zu erforschen.

Paartherapie als Trennungsbegleitung

Ein seltenes und nobles Anwendungsgebiet der Paartherapie ist bei Trennungen und Scheidungen. Wenn eine alte Beziehung zu Ende geht, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass sie bereits einen Großteil ihrer Tragfähigkeit stark eingebüßt hat. Das bedeutet, dass die Kommunikation hier stark von negativen Mustern geprägt ist, die einen nüchternen, klaren Umgang miteinander erschweren.

Insbesondere wenn Kinder oder andere die Beziehung überdauernde Faktoren mit im Spiel sind, kann ein respektvoller, achtsamer Umgang im Trennungsprozess und danach aber wichtig für die Partner sein. Hier kann eine Paartherapie dabei helfen, die Partner zu befähigen, ihre jeweils eigenen Wege gehen zu können. Insbesondere Männer und Frauen, die besonders gewissenhaft sind und sich gute Verbindungen zu ihren Mitmenschen wünschen, nehmen eine trennungsbegleitende Paartherapie in Anspruch.

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  1. Mit negativer Dynamik ist eine Kommunikation gemeint, die hauptsächlich dem Ausdruck von negativen Gefühlszuständen dient. Die negative Dynamik muss nicht offen stattfinden, sie kann auch verdeckt passieren: wenn z.B. vorgegeben wird, rational zu denken oder rational zu sein, in Wirklichkeit jedoch, wahrnehmbar auf nonverbaler Ebene, hauptsächlich dem eigenen Ärger Luft gemacht wird.

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